IF link

Berufung – ein anderes Wort für Glück

am Samstag, 23 Januar 2016. erstellt in Beiträge zur Blogparade, Berufung finden und verwirklichen

Conny SchäferEs ist leicht seine Berufung zu finden, wenn man auf sein Herz hört - auf diese viel zitierte innere Stimme. Es ist leicht, seinen Weg zu gehen, wenn man sich selbst vertraut und dem Leben und einen Schritt nach dem anderen geht. Und … es ist leicht, solch große Worte so gelassen hinzuschreiben....

Es ist allerdings sehr schwer, seine innere Stimme zu hören, solange sie von Aufgaben, Ängsten, Sehnsüchten, inneren No-Goes und verschwommenen Wahrnehmungen zugedeckt wird und der Verstand immer lauter das NEIN dir ins Gesicht schleudert, als jede zarte Botschaft Deiner Seele.

Ich hatte Jahre vor meinem Burnout, das ich 2005/2006 über mehr als eineinhalb Jahre erlebte, das tiefe innere Gefühl,“womöglich nicht ganz auf meinem Weg zu sein“. Nur: Ich sah ihn nicht. Ich ahnte, dass es in mir mehr gab, als ich in meiner beruflichen Welt auslebte. Und doch tappte ich vollkommen im Dunkeln, fühlte nichts Konkretes, das meinen „neuen“ Weg ausmachen hätte können. Also blieb ich auf meinem bisherigen Weg im Immobilienmanagement.

Als ich mit 37 Jahren bei meinem Zusammenbruch die klingende Diagnose „Burnout – Vollkommene Erschöpfung, letztes Stadium“ erhielt, brach meine Welt nicht nur entzwei. Sie zersplitterte in Abermillion Teilchen, die ober, unter und in mir zusammenbrachen und mein bisheriges Leben auf den Kopf und restlos in Frage stellten. Die dunkle Nacht der Seele hatte sich meiner bemächtigt und alle Anteile, die ich offenbar bis dahin als nicht zu mir gehörig betrachtet hatte – bewusst oder unbewusst – bündelten sich und bäumten sich überdimensional in mir und um mich.

Wenn mir eines geholfen hat, diese persönliche Hölle zu überstehen, war es neben vielen helfenden Händen und Herzen, das in mir angelegte Vertrauen in „das Gute in allem“. Die tiefe Überzeugung, dass „es etwas zu lernen galt“, etwas „zu erkennen galt“ und ich dies erkennen wollte. So machte ich mich auf die Suche. Neben allen möglichen Therapien, die mir einerseits halfen wieder Kraft aufzubauen und vor allem wieder zu speichern, galt es, mir selbst wieder näher zu kommen, denn ich selbst hatte mich im Tun und im Funktionieren verloren. Durch Meditation, Tagebuchschreiben, Shiatsu, TCM, gezielte Ernährung, viel Schlaf, Ausgleich zwischen Stille und konstruktiver Tätigkeit und dem klaren Fühlen und Setzen meiner Grenzen durch ein ebenso klares NEIN an der rechten Stellen, sowie durch kontinuierliche Bewegung lernte ich langsam wieder wahrzunehmen und neu zu entdecken: Wer bin ich und wer möchte ich sein? Wo stehe ich und wo möchte ich hin? Was entspricht mir? Wo beginne ich und wo beginnt der andere? Wo liegen meine persönliche Grenzen und wo die des Du? usw …

Außerdem besuchte ich einmal wöchentlich meine Psychotherapeutin zwecks Gesprächstherapie. Eines Tages meinte sie: „Schreiben Sie auch Tagebuch?“ Ich bejahte. Sie fragte mich, ob es für mich in Ordnung wäre, wenn ich ihr diese Seiten mitbringen würde. Ich bejahte auch das.
Als ich danach wiederkam, begrüßte sie mich mit den Worten: „Sagen Sie mal, schreiben Sie sonst nichts?! Ich lese Ihre Zeilen einmal als Therapeutin und 20 Mal als Frau. Sie geben Antworten auf Fragen, die ich nie gestellt habe und Sie leiten mich mit Ihren Ausführungen von einem Punkt der Fragezeichen Schritt für Schritt zu einer Erkenntnis, die etwas in mir zum Leuchten bringt.“

So sollte mein Burnout die Initialzündung werden für meinen weiteren Weg.
Denn – ich kürze dieses lange, sich in klitzekleinen Schritten vollziehende Entwicklung ab, verdichte sie zur Quintessenz: Ich begann achtsam und vorsichtig, das eine oder andere Gedicht – erstmals in meinem Leben – Dritten zu überreichen. Die Rückmeldungen machten mich mutig und ich entschied mich, mich auf die Suche nach einem Verlag zu machen. Sehr schnell wurde ich fündig, was nicht selbstverständlich ist, da Lyrik relativ selten verlegt wird, da der Markt nicht sehr groß ist. Mein Verleger meinte: Genau diese Gedichte möchte ich verlegen. Sie sind anders. Besonders. So kam 2007 mein erstes Buch auf den Markt.

Bei der Buchpräsentation sollte ich, wie es üblich ist, als Autorin einige Texte vortragen. Mein Herz klopfte bis zum Hals und ich war überzeugt, keinen einzigen Ton vor dem Mikrophon von mir geben zu können. Doch an diesem Abend im Oktober 2007 sollte sich eine zweite innere Zündung vollziehen, eine weitere schicksalhafte Erfahrung mich durchdringen. Als ich vor diesem Mikrophon stand, meine ersten Worte sprach, begann sich in mir ein tiefes Glücksgefühl auszubreiten und ich hatte das Gefühl des vielzitierten Fisches, der erstmals ins Wasser geworfen wird und alles jubilierte in mir: „ENDLICH! Ich darf schwimmen!“

An diesem Abend war auch ein Regisseur anwesend, der mich nach meiner Lesung ersuchte für seinen nächsten Film die Off-Stimme zu geben. Ich war tief verunsichert, glaube null an mich und meine Stimme und meinte nur: „Das kann ich doch nicht.“ Nach einigen Überzeugungsversuchen durch ihn und mir nahestehende Menschen, willigte ich ein.

Und wieder ergab sich ein Erfolg, den ich nicht ahnen hätte können. So entschloss ich mich 2009/2010 eine professionelle Sprecherausbildung zu absolvieren und besuchte eineinhalb Jahre „Die Schule des Sprechens“ . Im Prüfungskomitee war neben verschiedenen ORF-Sprechern auch Prof. Günther Frank, Schauspieler und Sänger. In der Vorstellungrunde erzählte ich von meinem Buch, den Gedichten, meinem Schreiben. Nach erfolgreichem Abschluss kam der Professor zu mir und bat um mein Buch. Er hätte Interesse daran, da er selbst auch schrieb.

Selbstverständlich ließ ich ihm das Buch zukommen. Bei einer Tasse Tee verkündete er alsdann in einem Wiener Kaffeehaus: „Ich würde Sie gerne einladen bei meiner Weihnachtslesung im Wiener Rathaus eine Weihnachtsgeschichte zu lesen. Ihre!“ Ich hatte zu diesem Zeitpunkt noch keine einzige Weihnachtsgeschichte geschrieben und wieder kamen Ängste und Zweifel und das mir so vertraute Gefühl: „Das kann ich nicht!“ Dies ausgesprochen quittierte der Professor mit einem einzigen Satz: „Natürlich können Sie das. Und in 10 Tagen sehen wir uns wieder – mit Ihrer Geschichte in der Hand.“

Und so sollte ich Weihnachten 2010 im Wiener Rathaus vor knapp 1000 Menschen meine erste Weihnachtsgeschichte vortragen. Es war wieder einer jener Abende, die etwas in mir in Bewegung brachten. Ich hatte im Laufe meiner Erkrankung und vor allem im Zuge meiner Gesundung immer klarer gelernt auf meine inneren Botschaften zu hören. Und ich erhielt eine Botschaft – wieder in Form von Freude und einem „inneren JA“. Die Menschen im Saal hörten mir mucksmäuschenstill zu, lauschten meinen Worten, meinem Schweigen, den Klängen meiner Seele, während ich die Abenteuer des Engels Benjamin „Zwischen Himmel und Erde“ vortrug.

Als ich vom Podium stieg, wusste ich, dass die Zeit nun reif war, eine Entscheidung zu fällen. Denn immer öfter begann sich mein Körper wieder in Form von Krankheiten zu melden. Wochenlang hatte ich keine „klare“ Stimme, der Hals schmerzte und der innere Druck der Entscheidung wuchs ins Unermessliche.


Am nächsten Morgen ging ich zu meinem Chef und informierte ihn über meine Entscheidung, mich ab nun ausschließlich meiner Film-Firma und meinem Sprechen zu widmen. Unsere Firma C&W Creative Werbung GmbH gab es schon viele Jahre und war bereits etabliert und fundiert. Ich hatte über viele Strecken – natürlich in Absprache mit meinem Arbeitgeber – neben meinem Haupt-Job bei der Flughafen Wien AG – darin mitgearbeitet. Nun war die Zeit reif. Es war keine leichte Entscheidung, denn der Flughafen war mir auf eine gewisse Art und Weise Heimat gewesen. Ich war 21 Jahre dort beschäftigt und „nahezu unkündbar“. Gutes Geld, relativ sicherer Arbeitsplatz. Und doch wusste ich: Ich muss jetzt meinen Weg gehen.


Und wieder fügte sich eines ins andere. Das Bedauern meines Chefs, meiner Kollegen mischte sich mit meinem eigenen und vor allem mit meinen tief sitzenden inneren Ängsten – und doch gelang mein Sprung in mein neues Leben, denn der Sprung war nicht eiskalt. Unsere Film-Firma trug bereits Früchte, ich selbst hatte bereits – nebenher – erste Erfahrungen gesammelt als Sprecherin. So gelang mein Sprung in die Selbständigkeit.

Ich möchte keinen Hehl daraus machen, dass „es“ nicht „einfach so“ klappt. Dass die Anlaufzeit bis so ein eigenes Geschäft tatsächlich Früchte und den Lebensunterhalt trägt nicht zu vergessen ist. Ich bin sehr glücklich, dass ich eine Zeitlang doch beide Standbeine hatte, bis das Selbständige tragend und fest genug war, mich und mein Leben zu tragen. Und doch, ich habe meine Entscheidung bis heute noch keine Sekunde bereut.

Ich habe gelernt, dass alles im Leben seine Zeit braucht und seine Zeit hat. Dass Frühgeburten immer mühsam und instabil sind. Diese „richtige Zeit“ erkenne ich an meinem „inneren JA“, das ich im Laufe der letzten Jahre immer deutlicher fühlen kann und mittlerweile keine Entscheidung treffe – und sei sie noch so klein, und sei sie noch so groß – ohne genau dieses „innere JA“ zu fühlen. Denn dann ergibt sich eins ins andere, dann entsteht der Weg im Gehen und es öffnen sich Türen, von denen ich nicht mal ahnte, dass es sie gibt.
Ich habe erkannt: Tore, die sich verschließen, haben einen einzigen Grund: Sie sind nicht Teil meines Weges. Sobald ich vor einem äußeren NEIN stehe, gehe ich einen Schritt zurück und höre in mich, lasse die innere Weisheit in mir Gestalt annehmen und lausche ihrer Botschaft. Wo will mich das Leben hinführen? Was habe ich übersehen? Was will das Leben genau jetzt von mir? Wo ist mein Weg?

Wenn Sie mich fragen, wie ich erkenne, was „mein Weg“ ist, dann … erzähle ich Ihnen von diesem tiefen inneren JA, dem Gefühl der Freude, dem Gefühl der Leichtigkeit, das sich in mir breit macht. Was Teil unseres Weges ist, Teil unseres Lebens zeigt sich uns leichtfüßig und freudig. Das ist meine Richtschnur, sie hat mich seither noch nicht getäuscht …

Mein persönlicher Weg ist immer noch im entstehen, und immer noch fügt sich Schritt an Schritt. Immer noch lerne ich, entwickle mich und integriere Neues in mein Leben. Immer noch und immer wieder …

Von Herzen wünsche ich Ihnen alles Gute für Ihren Weg. Vertrauen Sie sich selbst. Vertrauen Sie dem Leben und seien Sie gewiss: Es ist nie zu spät der inneren Stimme zu folgen!

Ihre Cornelia Schäfer

www.cornelia-schaefer.at
www.cwcreative.at
https://www.facebook.com/cornelia.schaefer.15/?ref=hl
https://www.facebook.com/cornelia.schaefer.9

Dipl. Burnout-Prophylaxe Trainerin
Sprecherin – Moderatorin – Sprech-Trainerin – Autorin – Filmemacherin

Google Plus
LinkedIn

Bitte Kommentar schreiben

Sie kommentieren als Gast.

Für persönliche Fragen stehen wir gerne zu den Bürozeiten Montag u. Mittwoch von 9.00 – 13.00 Uhr telefonisch unter 01/9457370 zur Verfügung.
Gerne kannst du auch ein E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! schicken - von Montag bis Freitag werden wir dieses in der Regel innerhalb von 24 Stunden beantworten.

Goldeggasse 2/5         |            A-1040 Wien

Wir verwenden Cookies um die Funktionalitäten dieser Seite zu erleichtern.